Loslassen lernen

Wie kann man lernen loszulassen? Und warum ist loslassen überhaupt ratsam? Ich war Ende 2013 bis Mitte 2014 auf Weltreise, damit erfüllte ich mir einen lang ersehnten Traum. Trotzdem musste ich feststellen, dass es leichter klingt als es ist, seine Routinen und Strukturen loszulassen. Es ist gar nicht so einfach und kann sich manchmal so anfühlen:

Loslassen lernen und Motivationstricks - Martin hat Angst im Flugzeug

Loslassen lernen Phase 1: Angst.

 

Eingefahrene Strukturen loslassen

Nachdem ich meine Dissertation bestanden hatte, wurde es Zeit, mir meinen großen Traum zu erfüllen: eine Weltreise. Wie lange? Das steht und stand zu keinem Zeitpunkt fest, es spielte aber auch keine Rolle. Es würde sogar der Idee, mal loszulassen und frei zu sein, widersprechen. Ich reis(t)e einfach von Ort zu Ort und blieb, solange es mir gefiel. Dann habe ich wieder die Sachen gepackt.

Obwohl die Weltreise ein großer Traum von mir war, klebte ich lange Zeit an Ort und Stelle fest. Ich hatte es mir in Berlin so richtig bequem gemacht, hatte mit meinen Büchern und Vorträgen gerade so viel Erfolg wie nie. Mein Appartement war toll eingerichtet, der Freundeskreis in der neuen Stadt gefestigt. Was in der Zeit der Planung in meinem Hirn abging, war Terror. Das kennen Sie ja: Der Teufel sitzt links auf Ihrer Schulter, der (Kr)Engel rechts.

 

Teufel:            Es ist so schön hier

(Kr)Engel:      … aber noch schöner in der Südsee …

Teufel:            Du kannst jetzt so richtig durchstarten, du hast dir die Weichen gut gestellt.

(Kr)Engel:      … endlich mal nichts tun, das wäre doch was!

Arrgh! Wir menschlichen Affen sind so gepolt. Wir haben Verlustangst und einen sogenannten „Status-Quo“ Bias. Unser Gehirn mag Ordnung, das Gegenwärtige. Um neue Informationen zu verarbeiten, braucht es Energie und Anschub. Wenn wir Probanden zufälligerweise irgendwelche Gegenstände in die Hand drücken, geben sie diese wenige Minuten später nur ungern wieder her (Anm.: Für diese Erkenntnis gab es sogar einen Nobelpreis).

Wenn wir dann einmal losgelassen haben, kann es sich wie im freien Fall anfühlen: Komisch, ungewohnt, zu schnell – aber irgendwie auch aufregend:

Loslassen lernen und Motivationstricks - Martin beim Fallschirmspringen - Daumen hoch

Phase 2: Neuland außerhalb unserer Komfortzone.

 

6 Motivationstricks, die mir geholfen haben loszulassen

Was mir half, tatsächlich die Reise anzutreten, waren einige erprobte Motivationstricks:

  1. Klares Commitment. Ich hatte mich jahrelang auf die Reise gefreut und darauf gedanklich hingearbeiet. Auch wenn mir dieses Ziel nun gar nicht mehr so wichtig erschien, wäre es Selbstbetrug gewesen, es einfach zu verwerfen. Ich stand zu meinem früheren Entschluss.
  2. Wenn-dann-Trigger. Meine Abreise war eng mit meiner Disputation der Doktorarbeit verknüpft. Wenn ich meinen Doktor habe, dann fahre ich los. Damit gab es keine Ausreden mehr, die Priorität war von vornherein festgelegt.
  3. Soziale Kontrolle. Natürlich hatte ich meine Familie und meinen Freunden von dem Vorhaben erzählt. Gesichtsverlust steht keinem gut! (… ist auch echt unpraktisch so ganz ohne Augen und Nase.)
  4. Kleine Schritte. Ich teilte meine Reisevorbereitung in lang-, mittel- und kurzfristig ein, um meine Impfungen, Visas auf die Reihe zu bekommen. Ich versuchte immer nur einen Schritt davon zu machen, um nicht durch die Komplexität des Projektes abgeschreckt zu werden.
  5. Loslassen. Neben dem Abarbeiten der Orga-Schritte warf ich in dieser Zeit so viele Dinge wie möglich weg. Ich begann all meine Aufgaben und Notizen zu digitalisieren. Damit würde mir das Losfahren leichter fallen – wenn ich alles, was ich sonst täglich brauche, als Backup dabei habe.
  6. Verbrannte Erde. Um die Motivation zum Sieg etwas anzukurbeln, verbrannten bereits spanische und chinesische Eroberer ihre Schiffe, sobald die Kriegsmannschaft am gegnerischen Ufer angekommen war. Für mich hieß das, mein Leben in Berlin unattraktiver zu machen: Ich verkaufte mein Auto, damit konnte ich nicht mehr zum Training. Ich vermietete meine Wohnung zu einem bestimmten Datum unter, damit hätte ich kein Dach mehr über den Kopf. Damit gelang es mir dann auch tatsächlich vier Tage vor Abreise endlich, meinen Flug in die Mongolei zu buchen! 🙂

 

Loslassen lernen und Motivationstricks - Martin mit Fallschirm - es fühlt sich gut an

Phase 3: Es fühlt sich plötzlich gut an.

 

Loslassen lernen: Mein Fazit aus dieser Geschichte

  1. Auch schöne Dinge / Ziele können Angst machen.
  2. Wir müssen lernen, unsere archaischen Emotionsmuster auszutricksen.
  3. Auch dafür helfen bewährte Motivationstricks.

 

Zeit für eine Denkpause:

  1. Was ist ein großes Ziel von Ihnen? Warum packen Sie es nicht an? Wovor haben Sie Angst?
  2. Wie können Sie die obigen Prinzipien in Ihrem Kontext nutzbar machen?
  3. Wann haben Sie das letzte Mal etwas losgelassen? Trennen Sie sich ab und an von überholten Dingen und Bekanntschaften. Ihr Leben zieht weiter, wird facettenreicher und schöner. Sie wollen, dass Sie nichts und niemand dabei aufhält!

 

Loslassen lernen und Motivationstricks - Martin mit Fallschirm - neue Komfortzone

Phase 4: Festigung. Sie sind wieder in Ihrer Komfortzone und überglücklich, dass Sie diesen Schritt gemacht haben – denn nun kann er Ihnen keine Angst mehr bereiten.


Loslassen lernen: Das Wichtigste noch einmal in Kürze

Manchmal ist es an der Zeit, die Komfortzone zu verlassen und weiterzugehen. Um die eigenen Träume in die Tat umzusetzen, muss man aber zunächst eines: loslassen. Hier noch mal die 6 Motivations-Booster in der Übersicht:

  • 1. Commitment. Zweifeln Sie nicht an Ihrem Entschluss, wenn Sie ihn einmal gefällt haben. Wenn Sie sich voll und ganz damit identifizieren, kann Sie nichts aufhalten!
  • 2. Wenn-dann-Auslöser. Binden Sie ein Ereignis, für das Sie sich selbst motivieren wollen, an ein Ereignis, das in jedem Fall eintreffen wird – das kann man auch als eine Erweiterung von Tipp 1 sehen.
  • 3. Soziale Kontrolle. Erzählen Sie Ihren Freunden und Familie von Ihrem Traum – und vor allem von dem Termin, an dem Sie ihn verwirklichen. Dadurch steigt der Druck und Sie werden sich schon deshalb nicht trauen, einen Rückzieher zu machen.
  • 4. Kleine Schritte. Der große Traum bleibt oft ein Traum, wenn man ihn nicht in Scheiben schneidet. Machen Sie sich einen Plan mit kurz-, mittel- und langfristigen To Dos, so wird jedes Projekt besser handhabbar.
  • 5. Loslassen. Im wahrsten Sinne des Wortes! Schmeißen SIe Gegenstände weg, die Sie stören. Trennen Sie sich von bremsenden Gewohnheiten. Digitalisieren Sie Notizen, das spart Platz auf dem Schreibtisch und im Regal.
  • 6. Verbrannte Erde. Planen Sie eine längere Reise oder einen Umzug, machen Sie’s wie die alten Spanier und Chinesen: verbrennen Sie Ihr Schiff! Veränderen Sie schon rechtzeitig die Rahmenbedingungen so, dass eine Umkehr ausgeschlossen ist.

Loslassen kann man lernen! Davon bin ich überzeugt. Teilen Sie gern Ihre Erfahrungen mit uns oder erzählen Sie eine Geschichte, wann Sie das letzte mal losgelassen haben!



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Kategorie: Träume verwirklichen
Artikel von
am 10.11.2013

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